Empusa in den Steinbrüchen

Empusa, Empusa, 1982
Empusa, Empusa, 1982
WVZ L 169, Lithografie auf
Bütten, 30,5 x 25 cm
Stiftung Gerhard Altenbourg

Da:    das hecate gezeugte Mittagsgespenst, die girrenden Augen aus
Wolfsbiß und nacktem Unvertraut, der Blutsaugerin dürstendes Schmatzen;
Dies Zehren und kopflose Schweigen.
Weh, woher,
weh, wohin. Weh und widerhallende Schritte.
Ich fand mich hinab, ich bin den Weg gekommen, den lorbeergrünen,
wirbelvollen   Dort wiehert der vom Schrecknis bedrohte Lichtkreis,
fledermausumflogen,   das Maul triefend vom Beerensaft nächtlichen
Wahns   den Treiber im Nacken.   Des Acherons Traube läßt das
Wohlvertraute  im Abwärtswunsch sich  anschmiegen einem Höhlen-Grauen
aus Schlaf und Tod, aus Erz und Esels-Kot.

Ja, dort sitzt sie, die Schenkelkühne, die Schenkelschöne,
auf der Schenkelbühne:   Psyche     – Sie ruhe in Frieden –
Und Rauhkarl frißt seinen Sauerkohl.

                O   du   Dicke, meine Freude –
                O   du   Dünne, meine Wonne –
Reicht mir den Mischtrank aus Gerstengraupen, Wasser und
dem Kraute Poley.
              – Ich bekenne, ich schreie, ich schweige schreiend.
              Entirdischung, komm, in dulci jubilo.

                Gerhard Altenbourg, am 30. August 1982    

 

(Handschriftliche) Beigabe zur Kassette „Altenbourg in Clara Mosch“,
Künstlerbücher WVZ 82/91